Gelungene Vorbereitung auf die Auftaktveranstaltung zum Stadtradeln der Stadt Geestland
„Meine Gedanken frei vom Alltag, es bleibt nichts mehr übrig. Ich sehe die Weiden, bin fern vom Verkehr – was will man mehr.“ (Marvin Wöhlken)
Mit Sprache bewegen und neue Perspektiven eröffnen – darum ging es bei einem zweitägigen Poetry-Slam-Workshop am Niedersächsischen Internatsgymnasium Bad Bederkesa. Unter der Leitung des erfahrenen Poetry-Slammers Simeon Buß entwickelten Schülerinnen und Schüler der Klasse 11c eigene Texte rund um die Themen Fahrrad, Mobilität und Alltag.
„Stadtradeln heißt zusammen was bewegen, nicht nur reden, sondern wirklich erleben“(Sandrina Ape).
Nach einer Einführung in die Welt des Poetry Slams starteten die Jugendlichen mit spielerischen Schreib- und Sprachübungen. Schritt für Schritt entstanden daraus persönliche, kreative und gesellschaftskritische Texte. Anders als bei klassischen Schreibwerkstätten stand dabei nicht nur das Schreiben im Mittelpunkt, sondern auch der lebendige Vortrag: Stimme, Haltung und Wirkung spielten eine wichtige Rolle. Inhaltlich beschäftigten sich die Jugendlichen mit unterschiedlichen Perspektiven auf das Fahrrad und nachhaltige Mobilität – von eigenen Erfahrungen im Alltag bis hin zu gesellschaftlichen Fragen.
Ein Höhepunkt des Projekts folgte am 17. Mai 2026 bei der Auftaktveranstaltung zum Stadtradeln im Lindensaal in Langen. Dort präsentierten der Schüler Marvin Wöhlken und die Schülerin Sandrina Apeihre die selbst verfassten Poetry-Slam-Texte vor Publikum. Im anschließenden Poetry-Wettbewerb der Poetry-Slamerinnen Franziska Gels, Sadaf Zahedi und Mia Heuse standen vielfältige Themen im Mittelpunkt: von Erlebnissen mit Stützrädern bis hin zu Gedanken über Kunstfreiheit, Gleichberechtigung und den feministischen Blick auf das Fahrrad als Symbol von Unabhängigkeit.
Die Veranstaltung zeigte eindrucksvoll, wie kreativ und vielseitig junge Menschen gesellschaftliche Themen aufgreifen können – und dass Mobilität weit mehr ist als nur der Weg von A nach B. Durch eine erfolgreiche Bewerbung in Kooperation mit der Stadt Geestland übernahm die AGFK Niedersachsen/Bremen im Rahmen des Serviceangebots „Poetry Slam trifft Stadtradeln“ vollständig die Kosten für den Workshop. Dafür gilt ein herzlicher Dank den Organisatoren und Förderern des Projekts.
Sandrina Ape:
Ich steig aufs Fahrrad,
tret‘ in die Pedale.
Doch fahr gerade.
Autos stehen Stoßstange an Stoßstange fest,
während der Wind mich tragen lässt.
Stadtradeln heißt zusammen was bewegen
Nicht nur reden
Sondern wirklich erleben
Nicht nur Posten „die Umwelt ist wichtig“,
sondern morgens losfahren
denn das ist richtig.
Die Reifen drehen Kreise im Licht
Und plötzlich merk ich, mehr brauch ich nichtNur Musik im Ohr
Und den Fahrtwind im Gesicht
Dieses kleine Gefühl von Freiheit
Vergisst man nicht
Denn auf dem Fahrrad fühlt sich
Alles leicht an,
als ob die Stadt mich heute
endlich ziehen lassen kann.
Keine roten Rücklichter wie eine endlose Schlange,
kein Warten mehr, keine verlorene Zeit und Bange.
Ich seh Menschen hinter Schreiben gestresst telefonieren,
während meine Gedanken lautlos durch die Straßen spazieren.
Jeder Tritt bringt mich ein kleines Stück weiter,
und mit jedem Meter wird mein Kopf ein bisschen freier.
Vielleicht klingt das klein in dieser riesigen Welt,
wo man Erfolg oft nur in Zahlen zählt.
Doch manchmal reicht schon ein Weg ohne Lärm,
ohne Motoren, ohne Hupen, ohne Fernziele,
die man ständig erreichen muss,
manchmal reicht einfach dieser Moment voller Luft.
Und ich glaube, Veränderung beginnt nicht laut,
nicht mit großen Worten, die keiner wirklich glaubt.
Sondern morgens um sieben auf dem kaltem Asphalt,
wenn jemand trotzdem aufs Fahrrad steigt und nicht anhält.
Weil jede Bewegung irgendwann Kreise zieht,
auch wenn man sie am Anfang kaum sieht.
Und Vielleicht fahr ich heute nur durch diese Stadt
Doch wenigstens fühl ich, dass sich irgendwas bewegt hat.
Marvin Wöhlken
Mein Freund: „Hey wollen wir Fahrrad fahren?“
Und ich: „Oh ja, dann kann ich mit meinem Fahrrad prahlen!“
Wobei, wenn ich so nachdenke, hat es so seine Macken
Die Kette ist am Knacken und Klacken
Die Gangschaltung, die ihren Hass auf den achten Gang hat,
wenn ich im achten Gang in die Pedale trete
rutsch ich ab und bete
Doch ziehe ich mit meinem Sattel alle Blicke auf mich
Meinen geflickten Sattel aufgrund des Aufriss‘
Aber trotz allem lieb ich mein Rad
Denn nichts anderes hält mich auf Trab
Mein Fahrradmotto es muss nur fahren und funktionieren
Nicht mit seinem Look im Verkehr markieren.
Ein Rad ohne Macken
Lässt dich ja nicht absacken
Wär ja langweilig, wo bleibt die Spannung
Ja, die kommt im Unfall bei einer Punktladung
Dann liegst du da und denkst dir
„Wieso bin ich hier?“
Aber wie gesagt, das Fahrradfahren hat auch schöne Seiten
Gerade um das Wochenende einzuleitenMan sucht sich eine schöne Strecke
Und merkt plötzlich an einer Ecke
Ja, mist, ich hab mich verfahren
Dabei sollte google maps doch meine Route planen
Durch Feldwege, unbefahrene Straßen, über Wege, die ins Nichts führen
Aber das Ziel, Orte die dich deinen Schweiß lassen spüren
Doch wofür das Ganze?
Damit ich beim ersten Platz beim Stadtradeln glänze
Ohne Müh und ohne Scheu
Plane ich meine Route einfach neu
Was seh ich da, die Hauptstraße nah,
Doch der Verkehr, der ist so groß und ich ganz starr
Naja, egal, ich fahr einfach auf und los
Auf einmal eine Oma mit 60 am überholen ganz schnell
Boah, das war knapp, der Gegenverkehr hat ihren PKW fast verdellt
Doch ich hab es fast geschafft
Noch einmal links und zweimal rechts die Straße ganz breit
Ich merke, es ist nicht weit
Selbst ich hab keine Tretkraft
Doch ich merke, ich hab‘s geschafft
Angekommen bei Dobbendeel in Beers am See
Jetzt genieße ich erstmal meinen Saft
Danach geht’s weiter am Kanal, der aussieht wie die Spree
Doch es ist schön, ich und mein Freund mit Musik, es geht weiter
Er fährt, wie ein treuer Reiter
Ich bin froh und glücklich
Meine Gedanken frei vom Alltag, es bleibt nichts mehr übrig
Ich sehe die Weiden, bin fern vom Verkehr
Was will man mehr
Doch am liebsten unterwegs
Bin ich Richtung Hymendorf mit nur einem Weg
Ja, ich freu mich schon, wenn ich zuhause bin
Wann komm ich an, wann bin ich da?
Ich muss über Drangstedt, leider ja
Ist keine andere Möglichkeit mehr da
Doch auch dies ist trotzdem sehr schön da lang zu radeln
Und auf einmal ändert sich das Wetter
Och nö, es fängt an zu hageln
Naja, ich denke mir, it can’t be better
Doch am Ende bin ich angekommen
Das Wetter endlich besser
Die Sonne sticht schön, wie ein Messer
Mein Freund und ich am Ende am Sonnen
Mit einem kühlen Eis
Bei schönem Wetter, das ist heiß.







