Wo einst schwere Drahtgeflechte den jungen Wald vom restlichen Ökosystem trennten, herrscht nun wieder Offenheit. Am Freitag, den 22. Mai 2026, tauschten 66 Schülerinnen und Schüler des 11. Jahrgangs vom Niedersächsischen Internatsgymnasium (NIG) Bad Bederkesa ihre Schulbücher gegen Seitenschneider und Monierzangen. In einer großangelegten Aktion bauten sie gemeinsam mit erfahrenen Forstfachkräften den veralteten Wildschutzzaun im Schulwald ab.
Hintergrund der Maßnahme ist eine positive forstwirtschaftliche Entwicklung: Die Bäume sind mittlerweile aus der sogenannten ,,Äserhöhe‘‘ herausgewachsen. „Die Bäume sind jetzt groß genug“, erklärt die Schülerin Jolie Tuchenhagen. Während der Zaun ursprünglich errichtet wurde, um Rehwild fernzuhalten und die Rinde junger Eichen vor Verbiss zu schützen, ist dieser flächendeckende Schutz nun nicht mehr notwendig.
Stattdessen setzt das Projekt auf Nachhaltigkeit: Nur noch vereinzelt gefährdete Pflanzen erhalten einen individuellen Einzelschutz. Dies ermöglicht es dem Wild, die Fläche wieder regelmäßig zu betreten, ohne den Bestand zu gefährden – ein wichtiger Schritt für die natürliche Entwicklung des Waldes.
Der Arbeitstag begann für die Klassen 11a und 11b bereits um 8:00 Uhr, während die Klasse 11c aufgrund einer Mathematikklausur erst verspätet dazustoßen konnte. „Nach unserer Ankunft zogen wir direkt Arbeitshandschuhe an und begannen mit den anstehenden Aufgaben“, berichtet Amy Heinrichs.
Die Arbeit war in verschiedene Phasen unterteilt:
- ,,Vorbereitung‘‘: Forstwirte schnitten vorab die Zauntrasse frei, da Brombeerranken den Zugang erschwerten.
- ,,Abbau‘‘: Die Jugendlichen lösten mit Farmerzangen die Krampen von den Holzpfosten und rollten den Draht fachgerecht auf.
- ,,Aufräumen‘‘: Schwere Zaunteile und Pfosten wurden mit Unterstützung eines Kettenbaggers und einer Laderaupe zum Sammelplatz transportiert.
Trotz steigender Temperaturen und körperlicher Anstrengung blieb die Stimmung der Schüler*innen oben. „Die Arbeit war zwar körperlich anstrengend, aber durch die gute Zusammenarbeit in den Gruppen konnten wir die Aufgaben erfolgreich bewältigen“, resümiert Kristján Alpers. Doch die Motivation des Jahrgangs reichte noch weiter: Schlussendlich reichte die Motivation des NIGs so weit, dass das Projekt bereits 20 Minuten vor dem angesetzten Ende vollendet war.
Das Projekt, das von der ,,Stiftung Zukunft Wald‘‘ unterstützt wurde, verfolgte neben dem ökologischen Ziel auch einen klaren Bildungsauftrag. Die Schüler*innen lernten, dass Naturschutz oft mit physischer Arbeit verbunden ist. „Es war interessant zu sehen, wie viel Arbeit hinter der Pflege des Schulwaldes steckt“, stellt Kristján Alpers fest.
Besonderer Wert wurde auf die Sicherheit gelegt. Unter der fachkundigen Anleitung von Revierleiter Tobias Löwer und Florian Offermanns (Waldpädagogikzentrum Elbe-Weser) lernten die Jugendlichen den sicheren Umgang mit professionellem Werkzeug. „Die Unterstützung der Forstarbeiter war dabei sehr hilfreich, da sie uns praktische Tipps gaben und auf die Sicherheit achteten“, so Jonas Dahl.
Der Einsatz ist mit dem Einrollen des Drahtes nicht beendet. Die gewonnenen Erfahrungen sollen direkt in das Curriculum der Schule einfließen. Zudem werden die Materialien im Sinne der Ressourcenschonung weiterverwendet: Während der Draht entsorgt wurde, bleiben viele Zaunpfosten im Wald, um zukünftig als Halterungen für Vogelhäuser, Insektenhotels oder Hinweisschilder zu dienen.
Am Ende des Tages waren sich alle Beteiligten einig: Der Schulwald hat ein „schönes Update“ bekommen (Saphira Rusterholz). Die Fläche dient nun nicht mehr nur als forstwirtschaftliche Schonung, sondern verstärkt als offener Lernort, an dem die Schülerinnen und Schüler des NIGs auch in Zukunft Verantwortung für ihre Umwelt übernehmen können.





















