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Aktuelles

Wir bleiben Europaschule

2015 hat das Niedersächsische Internatsgymnasium Bad Bederkesa als erste Schule im Landkreis das Zertifikat Europaschule erhalten. 2015 fand im Forum eine feierliche Veranstaltung statt, in deren Rahmen das Qualitätssiegel überreicht wurde. Seitdem ziert eine weitere Plakette den Haupteingang des Gebäudes. 2020 hat das NIG die Verlängerung der Zertifizierung erreicht. 2020 gibt es keine feierliche Veranstaltung. 2020 ist alles anders. Aber: Die Plakette bleibt.

Europaschulen in Niedersachsen fühlen sich besonders verantwortlich, ihren Schülerinnen und Schülern ein umfassendes Wissen über Europa zu vermitteln, ihnen vielfältige Möglichkeiten zu eröffnen, Europakompetenzen zu entwickeln und Mehrsprachigkeit zu fördern.

Bei allem Stolz auf die erreichte neue Zertifizierung stehen für uns weniger die organisatorische Verankerung und Verortung von Curricula und Kompetenzen, sondern vielmehr die Frage, was Europa für uns als Schulgemeinschaft bedeutet, im Zentrum unserer Arbeit.
Die Europäische Union ist das bedeutendste politische Bündnis in Europa und verbindet die Mitgliedstaaten umfassender miteinander als alle anderen Bündnisse der Welt. Das Staatenbündnis zählt seit dem Austritt Großbritanniens 27 Mitglieder, mit rund 450 Millionen Einwohnern leben etwas weniger Menschen in der EU als in Russland und den USA zusammen.
Das größte Verdienst der EU ist eine über 70-jährige Periode des Friedens innerhalb des Staatenbundes. Dennoch können wir nicht die Augen vor den Geschehnissen an den Außengrenzen der EU verschließen. Das Massengrab Mittelmeer und die Zustände in Europas größtem Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos werden gegenüber zukünftigen Generationen gerechtfertigt werden müssen – was nicht gelingen wird. Dennoch kann die Idee einer europäischen Gesellschaft und Wertegemeinschaft, in der Menschen- und Grundrechte geschützt werden, Geschlecht, Religion und sexuelle Orientierung keine Rolle spielen (sollten) und jeder seine Meinung frei äußern darf, nicht hoch genug bewertet werden. Diese Wertegemeinschaft muss gegenüber populistischen und nationalistischen Tendenzen in verschiedenen Mitgliedsstaaten in unterschiedlicher Ausprägung verteidigt werden. Schon solche Forderungen rational nachzuvollziehen fällt schwer, akzeptieren können wir sie nicht.
Nach dem Abitur entlassen wir die Schülerinnen und Schüler in die Ausbildung, ins Studium in Deutschland, in Europa oder in weitere Regionen der Welt. Sie wissen um ihre Chancen und Möglichkeiten und, wie privilegiert sie sind, in einem friedlichen Europa zu leben. Die gemeinsame Währung, europäische Austauschprogramme und die Reisefreiheit bilden für die Schülerinnen und Schüler die selbstverständliche Normalität ab. Gerade die Einschränkung der letzteren ist für viele in der Zeit der Pandemie eine völlig neue Erfahrung. Die Bedeutung des Schullebens neben dem Unterricht wird uns gerade jetzt schmerzlich bewusst, da normalerweise zahlreiche Veranstaltungen ein Schuljahr bestimmen und das Leben der Schulgemeinschaft bereichern. Viele notwendige Neuerungen sind (hoffentlich temporär) für uns zum Alltag geworden. Die EU lebt vom friedlichen Miteinander, von der Diskussion und vom Austausch. In einer Zeit der Neuerungen und Veränderungen freuen wir uns über ein wenig Beständigkeit. Auch in Form einer Plakette.