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Auf den Zügen durch Mexiko

Am Mittwoch, den 5. Dezember 2018, besuchte der Autor Dirk Reinhardt die Jahrgänge 7 und 8 mit seinem erfolgreichen Roman „Train- Kids“. Herr Reinhardt reist viel mit seinem Buch an Schulen, um es zu präsentieren. Seine Charaktere sind frei erfunden, die Erlebnisse beruhen auf Tatsachen.

Erst erfuhren wir etwas über die Hintergründe des Buches. Dirk Reinhardt wollte schon immer einen Roman schreiben und las in einer GEO- Reportage etwas über die Kinder aus den mittelamerikanischen Ländern, die auf den Dächern der Güterzüge in Mexiko die USA erreichen wollen. Wenn die Väter die Familie verlassen, stürzen diese oft in eine Krise, da es in Mittelamerika kaum Arbeit für Frauen gibt. Die Mütter befinden sich in einer Zwickmühle: Entweder bleiben sie bei ihren Kindern und führen weiterhin ein armes Leben oder sie verlassen ihre Kinder und wandern in die USA aus, von der man viele Wundergeschichten hört. Es soll ganz einfach sein, Geld zu verdienen und ohne Sorgen kann man dann wieder zurückkehren. Das Versprechen der Mütter, nach spätestens zwei Jahren wiederzukommen, können die Frauen oft nicht einhalten, da die Wahrheit doch ganz anders aussieht. Erreichen die Kinder ein passendes Alter, machen sie sich selber auf den Weg, um ihre Mütter zu suchen.

Die Reise gilt laut Amnesty International als gefährlichste Strecke der Welt, die Schienen führen erst an der Küste des Pazifik vorbei, dann durch das Hochgebirge und danach durch die Wüste. Die Bäume entlang den Gleisen, die lauernden Banditen und die Polizei in Mexiko stellen weitere Gefahren dar. Während den Fahrten kommt es immer wieder zu Razzien. Die Züge werden angehalten und die Kinder verprügelt und ausgeraubt.

Zum Vorbereiten und Schreiben des Romans brauchte Reinhardt ungefähr eineinhalb Jahre. Er flog selbst nach Mexiko, um sich mit den Jugendlichen unterhalten zu können. Nahe den Gleisen in verschiedenen Verstecken suchte er sie auf und fragte nach ihren Geschichten. Es dauerte immer eine Weile, bis die Kinder anfingen zu erzählen, ihr Vertrauen war schon zu oft missbraucht worden. Sobald sie aber Reinhards gebrochenes Spanisch hörten, fingen sie an zu erzählen. Mit vier Jugendlichen unterhielt er sich sogar mehrere Tage lang. Da er nicht alles verstand, zeichnete er die Gespräche auf und ließ sie sich später von unterschiedlichen Bekannten übersetzen. Dirk Reinhardt gab einigen Jugendlichen seine E-Mail Adresse mit der Bitte, dass sie ihm schreiben sollen, wenn sie in der USA angekommen sind und ihre Mütter gefunden haben. Bisher hat sich aber noch kein Kind gemeldet.

Erzählt wird die Geschichte von einem der fünf Hauptcharaktere aus der Ich- Perspektive. Der Erzähler ist der vierzehnjährige Miguel aus Guatemala. Er reist zusammen mit Fernando, einem sechzehnjährigen Jungen, Jasmina, einem Mädchen (14 Jahre) aus El-Salvador, das Jaz gerufen wird und sich als Junge verkleidet. Die letzten im Bunde sind der vierzehnjährige Emilio, ein Indigojunge aus Honduras, und der jüngste Ángel, ein Junge von 12 Jahren. Sie lernen sich nach dem Überqueren des Flusses Rio Suchiate kennen und bleiben während ihrer Reise zusammen. Da Fernando schon öfter versucht hat, in die USA zu reisen, wird er der Anführer ihrer Gruppe.

Uns wurden drei Auszüge vorgelesen. Im ersten startet die Reise der Jugendlichen auf den Waggons mit dem Aufsprung auf die Züge. Fernando erklärt ihnen, wie sie am einfachsten hinaufkommen. Sie rennen von einer Brücke los, dann neben dem Zug her und springen auf eine der Leitern, welche es immer seitlich vorne und hinten gibt. Alle schaffen es, im richtigen Moment zu springen und auf die Dächer zu klettern. Nur Ángel, der Kleinste, braucht ein bisschen Hilfe, da er es nicht schafft, kräftig genug abzuspringen.

Eine Zeit lang schaffen sie es mit Fernandos Erfahrungen, Gefahren aus dem Weg zu gehen. Im zweiten Auszug werden sie doch gefangen genommen. Bei einer Razzia der Polizei während einer Fahrt ins Tal werden sie aufgespürt und in ein altes Haus geschleift, wo die Polizisten ihr gesamtes Geld fordern. Die Kinder gehen der Forderung nach, nur Emilio kann nichts geben und muss bei den Polizisten bleiben. Die anderen dürfen weiter, sie haben den Männern genug gegeben. Da leert Fernando seinen Schuh, in dem noch ein Rest Geld war, welches er versteckt hatte, und gibt es für Emilios aus. Dafür wird er mit einer Taschenlampe ins Gesicht geschlagen. Daraufhin verschwinden die Männer und lassen die Freunde verletzt in dem verfallen Haus zurück. Jasmina macht Fernando einen Verband aus Blättern gegen die Schmerzen, alle haben die Hoffnung langsam aufgegeben, noch in den USA anzukommen. Am nächsten Morgen springen sie auf den kommenden Zug auf und reisen weiter in Richtung Norden.

In der nächsten Stadt machen sie eine Pause. Einige der Bewohner verraten den Jugendlichen, dass Flüchtlinge wie sie nie gerne gesehen sind. Ihre heruntergekommenen Klamotten zeigen deutlich ihre Herkunft und ihre Absicht in Mexiko. Die Freunde rennen vor der Polizei weg und verstecken ich in einer Kirche, während dort eine Messe gefeiert wird. Als die Polizisten in das Gotteshaus stürzen, werden sie von dem Pfarrer aufgehalten. Nach der Androhung  der Polizei, den Pfarrer zu verhaften, sollte er die Kinder weiter beschützen, stellt sich die gesamte Gemeinde gegen die Polizei und beschützt die Kinder. Die Polizisten sind in der Unterzahl und verschwinden wieder. Der Pfarrer nimmt die Freunde mit zu sich nach Hause und gibt ihnen etwas zu essen und trinken. Danach machen sie sich wieder auf die Reise.

Mehr Stellen wurden uns nicht vorgelesen, damit die gesamte Handlung nicht vorweggenommen wird, da einige eventuell selber den Roman von Dirk Reinhardt lesen wollen.

Uns hat der Vortrag sehr gut gefallen, da er die weniger bekannten Geschichten von Kindern aus Mittelamerika sehr gut wiedergibt.

Tabea Krohn und Carina Schmitt, 9a