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Aktuelles

Klimawandel, Klimagerechtigkeit und das NIG Bad Bederkesa

Ja, der Sommer 2018 war toll. In den Süden musste man bei diesen Temperaturen nicht fliegen. Und auch in den vergangenen Tagen herrschte bestes Wetter. Wenn das Klimawandel bedeutet, kann es doch so bleiben, oder? Nein!

Auch in Deutschland gibt es Menschen beziehungsweise Branchen und Regionen, die bereits unter den Folgen des Klimawandels leiden - wie Landwirte oder die ostfriesischen Inseln. Die Folgen des Klimawandels sind jedoch besonders spürbar in den Ländern, die deutlich weniger zum Klimawandel beigetragen haben als wir.

Am ersten Schultag nach den Osterferien hat die 11c des Niedersächsischen Internatsgymnasiums daher einen klimapolitischen Perspektivwechsel vorgenommen. Im Rahmen des Planspiels Südsicht, das von der Landesarbeitsgemeinschaft Agenda 21 (LAG 21) aus NRW organisiert und mit der Unterstützung von Frau Thomas (Nachhaltigkeit und Beteiligung der Stadt Geestland) im Rathaus in Bad Bederkesa stattgefunden hat, haben die neunzehn Schülerinnen und Schüler sich anhand eines fiktiven Beispiels mit der herrschenden Klima(un-)gerechtigkeit auseinandergesetzt. Die Hauptstadt Ghanesiens, ein tropisches Land im Westen Afrikas, leidet unter den Folgen des Klimawandels. Auf Grund von stark ausgeprägten Niederschlagsschwankungen kommt es in Cape Shore (Hauptstadt Ghanesiens) regelmäßig zu Überschwemmungen, die zum Verlust der Erwerbsgrundlage, des Wohnraums und des Lebens führen.

Aufgeteilt in Regierungs- (SDC) und Oppositionspartei (LPP) der Stadt müssen die Jugendlichen sich auf Grund ihrer zugeordneten Rolle zwischen zwei Lösungsmöglichkeiten entscheiden:Sollte die Stadt Retentionsflächen anlegen und das Flussufer mit Baumbepflanzungen befestigen, um die Wasserlast des Flusses Pru durch eine kontrollierte Überschwemmung zu reduzieren? Infolgedessen müsste jedoch der Konflikt mit Bauern und Chiefs in Kauf genommen werden, da diese ihr (heiliges) Land sowie die heiligen Baobab-Bäume hergeben müssten. Oder sollte die Stadt internationale Unternehmen mit dem Bau von Schutzwänden und Deichen beauftragen? Dies würde auf Grund des Bebauungsplanes aber zu großen Schwierigkeiten mit der aufstrebenden Tourismusbranche führen.

Im Anschluss an die kontroverse Arbeit in den Fraktionen, den Umwelt- und Finanzausschüssen sowie der gemeinsamen Sitzung hat sich der Rat fast einstimmig für die Anlage von Retentionsflächen - mit dem Zusatz der Flurbereinigung - ausgesprochen, wobei darauf geachtet werden soll, dass Kleinbauern nach wie vor von ihrem Land leben können, da größtenteils Subsistenzwirtschaft betrieben wird.

Für die Schülerinnen und Schüler der 11c war es im Anschluss an die Osterferien ein gelungener Start in den Schulalltag, der dazu geführt hat, dass sie ihr eigenes Handeln im Sinne der Klimagerechtigkeit reflektieren und auf Grund der derzeitigen "Fridays for Future"-Demonstrationen kaum relevanter sein könnte.